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Interview: "Wechsle mal die Brille!"

Alexandra Bischoff über Urlaubsstress
"Wechsle mal die Brille!" - Interview mit Autorin

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Die Autorin Alexandra Bischoff spricht mit uns über das aktuelle Thema Urlaubsstress und wie es uns gelingen kann wieder in Balance zu kommen. 
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Alexandra Bischoff, geboren 1964 in Ingolstadt, ist promovierte Diplom-Soziologin. Unter dem Namen BALANCE begleitet sie als Coach, Trainerin und Autorin mit Begeisterung seit 2009 Menschen auf ihren Wegen zu Selbststärkung und innerer Balance. In ihren Seminaren, ihren Mitmach-Vorträgen, ihrem Blog SEELENBALANCIEREN sowie in ihren Büchern findet sich ihre ganz besondere Mischung aus Fachwissen, Selbstreflexions- und Entspannungsübungen sowie persönlichen Empfehlungen: alltagstauglich, fantasieanregend, abwechslungsreich und mit Leichtigkeit präsentiert. Sie lebt mit ihrer Familie in München und arbeitet dort im städtischen Sozialreferat. Einige ihrer Bücher wurden bereits auf unserem Portal rezensiert. Mit ihrem neuen Buch „Wechsle mal die Brille!“ konnte sie wieder viele Impulse zur Selbststärkung im Alltag geben.  Mehr zum Buch
 
Heute freuen wir uns sehr, dass wir Alexandra Bischoff zum aktuellen Thema Urlaubszeit im Interview haben. Alexandra Bischoff, oder für uns einfach nur Sandra, gibt uns gern Tipps, die aus der Urlaubsstressfalle hinaus helfen.
 
Liebe Sandra, mit Beginn der Schulferien werden viele Menschen in den wohlverdienten Sommerurlaub starten. Da kommt Freude auf, oder nicht? Urlaub dient der Erholung, aber nicht selten ist es auch so, dass die Menschen zur Urlaubszeit Stress empfinden. Was ist eigentlich Urlaubsstress?
 
„Danke, dass Du mir die Gelegenheit gibst, über dieses wichtige Thema zu reden, Petra! Wir empfinden Stress und reagieren darauf wie schon unsere Urzeitvorfahren, wenn wir etwas als Angriff empfinden: Dann wollen wir hormongesteuert davonlaufen, angreifen oder uns tot stellen. Was wir als bedrohlich und stressig interpretieren, ist vollkommen subjektiv! Manche Menschen fühlen sich laut Umfragen in Staus, in quirlig-lauten Partyvierteln und an bevölkerten Stränden durchaus sehr wohl; sie genießen das Gefühl, Teil der Masse zu sein. Andere kriegen schon beim Gedanken daran die Krise. Wer in einer Großstadt lebt, sucht im Urlaub vielleicht lieber ländliche Ruhe und Natur. Und umgedreht: Wer auf dem Land lebt, findet eventuell Städte- oder Abenteuertouren sehr anregend. Aber auch das kann von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein. Und dann kommt noch der zwischenmenschliche Faktor hinzu: Bei der Urlaubsplanung muss man, außer bei Singlereisen, die verschiedenen Vorstellungen in Partnerschaften und Familien unter einen Hut bringen. Auch das ist ein Stressfaktor.
Stress entsteht also dann, wenn wir in irgendeiner Art nicht mit den Gegebenheiten klarkommen und unter Druck geraten. Ein paar typische Beispiele: Die Zeit für die Vorbereitung ist so kurz, dass wir quasi direkt von der Arbeit ins Transportmittel wechseln, wir werden im Stau ausgebremst und flippen deswegen aus, wir haben auf der Reise nicht genug zu essen und trinken dabei, die Kommunikation untereinander verläuft aggressiv, wir machen einander Vorwürfe, die Kinder quengeln, die Gegebenheiten vor Ort sind anders als wir es uns vorgestellt haben, nach der Rückkehr geht’s direkt zurück an die Arbeit, die schönen Eindrücke und die Erholung sind nullkommanix wieder weg. Klingt grauenhaft, oder? Aber wir alle haben zumindest Teile davon schon erlebt. Und eigentlich steckt in jeder der Situationen bereits die Lösung, wie man es entspannter, nervenschonender und gelassener angehen könnte.“
 
Hast du das selbst einmal kennen gelernt und was machst du als Balance-Expertin dagegen? Was kannst du empfehlen?
 
„Klar habe ich im Laufe der Jahrzehnte alle möglichen Varianten von Urlaubsstress selbst erlebt: Unter anderem eine Nacht am Straßenrand auf Korsika, weil wir kein Hotelzimmer gefunden haben. Ganz anders war der Stress, der dadurch entstand, dass unserem Sohn regelmäßig im Auto schlecht wurde und er sich übergeben musste. Und natürlich beobachte ich bei anderen Menschen, wie sie sich rund ums Thema Urlaub und generell in ihrer wertvollen freien Zeit schlichtweg selbst fertig machen. Nicht umsonst heißt der entsprechende Abschnitt in meinem Buch „Von Freizeitleid und Freizeitfreud“.
Was meine Familie und ich anwenden, hat sich für uns bestens bewährt, sodass ich es empfehlen kann. Da haben wir viel aus Erfahrung dazugelernt. Aber wie gesagt, das ist alles sehr individuell und passt vielleicht auf die Bedürfnisse anderer Familien nicht gut! Wir haben schon vor Langem angefangen, Stress rauszunehmen, indem wir über Tage hinweg peu à peu vorbereiten, was wir einpacken wollen. Meine Checklisten für den Sommer- und Winterurlaub kann ich immer wieder verwenden. Wir haben uns abgewöhnt, gleichzeitig mit ganz München zu Ferienbeginn loszufahren bzw. am Ende heimzukehren; sonst ist nämlich Staustress vorprogrammiert. Aus ökologischen Gründen haben wir aufgehört zu fliegen und verzichten auf Fernreisen. Das hat den angenehmen Effekt, keine Impfungen, keinen Jetlag, keine starken Klimawechsel und keine urlaubstypischen Krankheiten verarbeiten zu müssen. Wir haben auf unseren Fahrten immer zu essen und zu trinken dabei. Auch auf Zugfahrten verlasse ich mich nicht mehr auf die angekündigte Verpflegung, die oft genug ausfällt. Bei langen Autostrecken planen wir eine Zwischenübernachtung in einem schönen Landgasthof mit gutem Essen ein. Wir haben inzwischen Lieblingsferienwohnungen in Italien, Frankreich und England entdeckt, zu denen wir immer wieder fahren. Auch das reduziert Stress, weil wir schon wissen, was uns erwartet und worauf wir uns freuen können. Es gibt dennoch immer genug Neues zu entdecken. Wir leben ja mitten in München, daher fahren wir im Urlaub meist aufs Land. Weil wir auch gerne Kultur tanken, bauen wir oft ein oder zwei Tage für Großstadtausflüge mit dem Zug ein, z.B. von Kent nach London oder vom Bolsenasee nach Rom.“
 
Du hast euren Sohn erwähnt. Hast du ein paar Tipps, wie man Urlaubsstress mit Kindern reduziert?
 
„Wir haben ja nur ein Kind, daher kenne ich den klassischen Geschwisterstreit auf der Rückbank nicht. Der kann Familien fertig machen – er ist zugleich Ausdruck von Stress und bewirkt neuen. Und vielleicht hatten wir schlichtweg das Glück, dass unser Sohn sehr gut zu uns passt. Jedenfalls haben wir ein paar Dinge nie angefangen, die ich bei anderen Familien beobachte und die meiner Meinung nach Stress auslösen:
Wir sind die ersten dreieinhalb Jahre keine langen Strecken gefahren und haben Urlaube in Ferienwohnungen, zum Teil auf einem Bauernhof mit anderen Kindern und vielen Tieren, nahe der bayerisch-österreichischen Grenze gemacht. Also kein Fernreisestress für das Kleinkind. Wir haben im Auto nie eine Multimediabespielung und –beschallung angefangen, die einen Teil der Familie genervt hätte. Unser Sohn hat sich selbst beschäftigt oder geschlafen. Manchmal haben wir gemeinsam gesungen, Witze erzählt oder Autokennzeichenquiz gespielt. Wegen der Übelkeit hatte er jahrelang ein großes Tuch umgelegt und eine Tüte in Reichweite; das klingt jetzt vielleicht komisch, war aber für uns alle enorm entspannend. Auch ein Lavendelduftkissen hat ihm geholfen. Von klein auf haben wir ihm zugetraut, mit uns in Restaurants zu gehen. Mit Büchern und Malutensilien hat das immer gut geklappt. Auch für Museen konnten wir ihn schon als Kleinen interessieren; später ist er auf Kinder-Audioguides angesprungen. Und wir haben im Lauf der Zeit eine gute Mischung aus Sporteln, Faulenzen und Kulturausflügen entwickelt, bei der wir jeweils zeitweise alleine unterwegs sind und zu ganz unterschiedlichen Zeittakten leben. So haben wir alle drei etwas von den Familienurlauben und bekommen nicht das Gefühl, wegen der anderen auf etwas verzichten zu müssen.“
 
Wenn wir den Wald vor Bäumen nicht mehr sehen, wenn also der Stresslevel einfach zu hoch ist, hast du für uns einen Tipp für eine Notbremse?
 
„Da habe ich die Situation vor Augen, im Stau festzustecken. So mancher Mensch fängt dann zu fluchen oder zu brüllen an. Das wiederum kann auf Mitreisende enorm stressfördernd wirken. Die allererste Hilfe gegen Stress für alle Beteiligten ist ein tiefer Atemzug! Gerne auch mehrere, auf jeden Fall bewusst atmen. Sehr hilfreich ist diese Formel: „Ich atme ein, was ich brauche – ich atme aus, was ich nicht brauche.“ Wer das beherzigt, kann sich immer und überall selbst aus Gefühlen wie Wut, Angst und Hilflosigkeit helfen. Es wird eine kleine Entspannungsreaktion ausgelöst, die das Denkvermögen wieder erweitert. Der Mechanismus dahinter heißt „Bodyfeedback“, er hat mit Hirnfunktion und Hormonen zu tun. Ich erläutere ihn in meinen Büchern genauer.“
 
Stress hat auch oft was mit zu hohen Erwartungen zu tun. Was meinst du, woher kommen die und wie gelingt es da ein Gleichgewicht wieder herzustellen?
 
„Ja, zu hohe, zu konkrete Erwartungen führen dann zu einer Ent-Täuschung. Wir hatten uns also getäuscht. Wir sind irgendwelchen Klischees von Romantik oder Abenteuer aufgesessen, die man uns vorgegaukelt hat. Wir vergessen oft, dass die großartigen Geschichten anderer womöglich eine geschönte Version der Realität darstellen. Das trifft auch für Hotelbeschreibungen zu.Der Schlüssel, um über Gedankenkraft wieder ins innere Gleichgewicht zu kommen, ist die Frage, „Kann ich daran etwas ändern?“. Wenn nicht, dann bleibt mir nur, mich zu arrangieren. Ein Beispiel: Ein verregneter Urlaub kann einer Familie die Stimmung vermiesen, weil die Erwartung war, das Wetter werde bilderbuchmäßig schön sein. Kann man am Wetter was ändern? Natürlich nicht, also bleibt nur, das Beste daraus zu machen und flexibel die Pläne zu ändern: andere Dinge unternehmen, viel Anlass zum Lachen und für Spaß suchen, aus dem blöden Wetter später eine Familienanekdote machen, sich freuen, dass plötzlich viel Zeit für Ungewöhnliches und Überraschendes zur Verfügung steht, z.B. für gemeinsame Spiele.“
 
Dein Kernthema ist die innere Balance. Der Stress steht auf der einen Seite, was genau steht auf der anderen Seite der Waagschale und wie bekommen wir da wieder ein Gleichgewicht hin?
 
„Ich spreche gerne von Ent-Spannung; auch hier mit einem Bindestrich, wie bei der Ent-Täuschung. Sie ist das Gegenstück zur An-Spannung. Solange wir für beides sorgen, passt alles. Wir können also beispielsweise eine längere begrenzte Zeit in einem Projekt powern und auf viel Freizeit oder auch mal auf einen Urlaub verzichten. Wenn wir aber zu lange nur im Powermodus leben, verlieren wir irgendwann die Fähigkeit zur Entspannung. Dann wird’s gefährlich, das geht in Richtung Erschöpfung oder Burn-out. Daher bin ich ein Fan der kleinen Einheiten und der kurzen Wege. Nicht auf den einen großen Wellnessurlaub auf Sri Lanka hinleben, dessen Effekt dann sehr schnell im Alltag wieder verpufft. Und womöglich wird er wegen Erkrankung gar nicht stattfinden. Sondern für kleine und kleinste regelmäßige Entspannungs- und Erholungseinheiten sorgen; jeden Tag, möglichst jedes Wochenende. Für viele Arbeitsgestresste dürften Entschleunigung und Achtsamkeit wichtige Ansatzpunkte für mehr Glücksmomente im Alltag sein, ganz im Hier und Jetzt.Auf den Urlaub bezogen ist wichtig vorab herauszufinden, wovon man sich eigentlich erholen will. Sind es Langeweile und Unterforderung, also womöglich ein „Bore-out“, brauche ich andere Anregungen und Erlebnisse als wenn ich überreizt, überarbeitet und ruhebedürftig bin.“
 
Hast du Vorschläge für entspanntere Alternativen zur oft stressigen Urlaubszeit?
 
„Oh ja, es gibt tolle Möglichkeiten, die eigene Stadt oder Region zu entdecken, wenn man die „Touristen-Brille“ aufsetzt! Urlaub auf „Balkonien“, ein Zeltplatz in der Nähe, Museumsbesuche und Stadtführungen, Schifffahrten auf Seen oder Flüssen in der Nähe sind ein paar Beispiele. Ohne Uhr leben oder sich quer durch Cafés schlemmen, die man noch gar nicht kennt. Das Andersmachen ist das Beglückende dabei!“
 
Vielen Dank für deine Zeit im Interview und deine ausführlichen Antworten liebe Sandra.
 
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Rezension des Buches:
 
Weitere Informationen zur Autorin: Homepage / Video / Verlag
 

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