Warum streiten durchaus sehr produktiv und notwendig sein kann....

Warum streiten durchaus sehr produktiv und notwendig sein kann....

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Egal wie alt wir an Lebensjahren bisher geworden sind, oder wie jung eben auch noch. Egal was wir bisher in Beziehungen an Erfahrungen mitnehmen konnten, irgendwie erreichen wir immer wieder einmal einen Punkt, sogar in der besten Partnerschaft, an dem wir ernsthaft die Verbindung in Frage stellen. Nicht weil wir den Partner nicht von Herzen lieben würden, sondern weil es nach allem miteinander Erlebten, aller Gemeinsamkeiten und Harmonie und der eventuell getanen Heilarbeit an uns selbst und miteinander immer noch und immer wieder zu heftigen und zutiefst emotionalen Auseinandersetzungen kommt.

Wir begreifen es einfach nicht, verstehen nicht was hier passiert. Und denken von einer unangenehmen Situation zur nächsten vermehrt darüber nach, dass sich die Lage doch mittlerweile ein bisschen entschärfen oder zumindest nicht gefühlt verschlimmert haben sollte. Waren denn die ganzen Jahre völlig, all die Zeit vorher völlig umsonst, die wir mit der eigenen Innenschau und dem gegenseitig auf die roten Knöpfe drücken verbracht haben?

Ich sag euch was, es kostet mich heute immer noch enorme Überwindung aus dem ganz normalen Denken, wie eine Beziehung doch zum Kuckuck zu sein hat, heraus zu gehen. Und Streit als etwas Notwendiges und auch Förderliches zu akzeptieren ohne gleich meine Beziehung in Frage zu stellen. Da sind einfach noch die alten Geschichten, die mir immer noch weismachen wollen, wie es „richtig“ laufen sollte und die, kollektiv und familiär bei uns allen immer wieder andocken. Na klar, wir sind damit aufgewachsen und somit sitzt es fest und knallhart irgendwo in den unbewußten Schubladen unseres mentalen Bewußtseins und wartet darauf, bei Gelegenheit wieder losgelassen zu werden. Da wir selten eine Vergleichsmöglichkeit in Sachen Beziehungen erleben konnten in Bezug auf das entsprechende Verhalten unserer Eltern und Großeltern, und wir dies natürlich 1 : 1 übernommen haben, ist es für unseren Verstand das normalste der Welt. Doch ganz ehrlich, was ist wirklich normal? Wir sind alle mit unterschiedlichen Charaktären, Erziehungsschemata, Lebenssituationen und körperlich wie seelischen Voraussetzungen aufgewachsen. Dementsprechend unterscheidet sich das Weltbild jedes einzelnen Menschen vom anderen. Doch die kollektiven Vorgaben bleiben, zumindest im selben Kurlturkreis, sehr ähnlich. Das ist unser wohl allergrößtes Handicap. Unsere gespeicherten und verselbständigten Überzeugungen dazu.

Einige dieser alten Überzeugungen lauten „Streit ist schlecht“, „Wut ist schlecht“, „liebevolle Partner streiten nicht miteinander“, „Streit ist der Anfang vom Ende“ etc.
Wüßten wir alle mehr darüber als das was wir von unseren Ahnen übernommen haben, oder hätten wir mehr Vertrauen in uns selbst und das Leben, würden wir mehr auf unser Bauchgefühl achten statt auf das was wir als gewohnten roten Faden kennen, könnten wir vielleicht von der Basis her schon ganz anders mit dem Thema Streit in Beziehungen umgehen. Viele Partner schlucken „es“ (das was gerade zu sagen wäre) lieber hinunter, als den Mund klar, liebevoll und authentisch zum passenden Zeitpunkt aufzumachen, um nur ja nicht den lieben Frieden und meist sogar die Partnerschaft zu gefährden. Lieber verbiegen wir uns, deckeln die Emotionen solange, bis ein kleiner Vulkan darunter zu brodeln beginnt. Ja, Verlustangst und verbunden damit der eigene Selbstwert, sind sicher hier auch ein großes Thema in diesem Zusammenhang. Schamgefühle und Schuldgefühle tun ihr übriges dazu. Wir haben schlicht Angst davor, unsere Meinung zu sagen, nur damit nicht wieder ein Streit daraus wird. Angst davor, dass wir nicht mehr als die Nette/der Nette erkannt werden könnten. Angst davor, keine Liebe mehr zu bekommen, wenn wir uns „so gefühlt daneben benehmen“. Wir haben eben gelernt, dass man das einfach nicht macht.

Wenn wir uns allerdings, wie ich oben bereits erwähnte, unsere unterschiedlichsten Herkünfte Überzeugungen anschauen und dann weiter darüber nachdenken, wieviele dieser Einzelheiten in einer Verbindung von zwei Menschen unter einen einzigen Hut gepackt werden, lässt sich erahnen, wie wenig realistisch eine Partnerschaft ohne gesundes Streitpotential ist. Zwei Menschen werden immer wieder anderer Meinung sein. Sie werden sich immer irgendwo reiben. Einen Unterschied in der Intensität macht da lediglich, inwieweit der jeweilige oder beidseitige Bewußtwerdungsprozeß bereits fortgeschritten ist und ins Leben integriert werden konnte. Aber auch das unterliegt vielen verschiedenen sinnhaften Gegebenheiten und sollte nicht als wiederum „schlecht“ oder „ungehörig“ empfunden werden.
Wir sind doch alle irgendwie auf dem Weg, der eine schneller, der andere eben langsamer.

Ein wichtiger Punkt dabei, scheint aber ebenso unsere Streitkultur zu sein und die Anerkennung der Tatsache, dass etwas Verletzendes einmal gesagt, mitten im Raum stehenbleibt. Streit hat prinzipiell nichts mit gegenseitiger Verletzung zu tun. Es ist lediglich die momentane Unvereinbarkeit zweier völlig konträrer Ansichten, welche durchaus ohne Verletzungen an den Mann oder die Frau gebracht werden können. Aber auch das unterliegt, wie bereits gesagt, zum einen der jeweiligen Entwicklung und zum Anderen der Tagesform.

Zu diesem Thema möchte ich Euch gerne noch ein kleines Beispiel erzählen.
Es gibt unterschiedlich harte Materialien, mit denen diverse Dinge erschaffen werden können. Eines davon ist Eisen. Wie allgemein bekannt, kann Eisen z. B. in der Schmiedekunst nur verarbeitet bzw. in „Form“ gebracht werden, wenn es erhitzt wird. Ein Schmied erhitzt das Werkstück dabei so lange in der Esse, bis es seine Struktur verändert und „weich“ wird. Zu diesem Zeitpunkt kann es in die gewünschte Form gebogen, gedreht oder gezwirbelt werden. In kaltem Zustand würde dies niemals gelingen.

Ebenso verhält es sich am Beispiel der Partnerschaften.
Wenn wir streiten, erhitzen sich die Gemüter. Wir spüren innerlich wie sich unser System auf Höchstleistung bringt.Wir spüren Hitze, reden uns in Rage, Wut, heftige Emotionen beginnen hochzukochen. Und plötzlich der Moment, an dem wir scheinbar den höchstmöglichen Grad der Erhitzung erreicht haben. Dort sind wir am Empfänglichsten. Es ist der Zeitpunkt, an dem wir uns so verausgabt haben, dass wir leise werden, zurücktreten, aufgeben, uns alles egal ist. Wir sind weichgekocht....so weich, dass wir plötzlich wieder zugänglich werden und merken, „unserem Partner geht es gerade ebenso“.
Ein Sprichtwort sagt „ein Eisen muß geschmiedet werden, so lange es heiss ist“. Ja, wenn wir ganz heiss sind, dann sind wir biegsam und viel zugänglicher. Genau in diesem Moment kann etwas Wunderbares geschehen. Genau dann sind wir erreichbarer, formbarer....wir giessen die Form der Partnerschaft neu. Immer wieder neu. Das ist ein Wunder, welches nur in diesem Zustand wirklich effektiv möglich ist.
Statt Streit ganz allgemein abzulehnen, sollten wir einfach den Blickwinkel darauf ändern und uns mehr mit der Streitkultur an sich, als mit der Negativbehaftung dessen, beschäftigen.

Streiten wir angemessen, bedeutet dies Wachstum und nicht Stillstand. Wir schleifen unsere rohen Diamanten zu kostbaren Juwelen und dies solange, bis wir diese Art der Erfahrung nicht mehr benötigen. Solange bis sich der extreme Pendelausschlag in der Mitte angenähert hat. All dies wäre ohne ein gewisses Maß von Widerstand nicht möglich. Alleine die Bewußtheit über unsere Gedanken, das Wissen über die inneren Überzeugungen, über die Schlechtigkeit des Streitens oder der potentiellen Gefahr dahinter, könnte schon einiges innerhalb der gegenseitigen Wahrnehmung verändern. Und dann haben wir alle ja zugegebenermaßen nicht nur unsere guten Anteile. Wir sind nicht immer nur die Gutmenschen, die wir gerne sein möchten. Was noch mehr ein Grund zu sein scheint, Streit lieber zu meiden oder Schlechtes in ihm sehen zu wollen Nein, ... beide Anteile leben in uns.. Es ist alles eine Sache der Auslegung, der Überzeugung und der jeweiligen Ansicht.

In dem Moment, wo wir auch die weniger schönen Anteile in uns als zu uns gehörend annehmen können, werden wir auch unsere Partner mit anderen Augen betrachten. Größere Toleranz und Akzeptanz werden beider Leben und auch die Streitkultur bereichern.

Herzlichst
©Monika Hagn
www.sanara-lebenslicht.jimdo.com
Praxis für Persönlichkeitstraining, Coaching,
Geistheilung

 
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