Das kaputte Fahrrad - Kurzgeschichte

- so ein Tag wie dieser ...
Das kaputte Fahrrad - Kurzgeschichte

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vom

Yin und Yang - Glück und Unglück liegen oftmals so nah beieinander. Oft können wir erst im Nachhinein erkennen, wofür manche Dinge (doch) gut waren.

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Ich hatte ein schwarzes Fahrrad, auf dem ich tagein tagaus fuhr. Auf all diesen Wegen war es recht zuverlässig gewesen. In der letzten Zeit waren jedoch immer mal wieder kleinere Reparaturen erforderlich, um es in Stand zu halten.

Und dann gibt es so Tage ...
Ich stand morgens auf und stieg auf mein Rad, um bei einer guten Freundin, die gerade im Urlaub war, die Blumen zu gießen. Auf etwa drei viertel der Strecke, als ich gerade an einer Kreuzung anfahren wollte, brach mir plötzlich die linke Pedale einfach ab. Aufgrund eines glücklichen Umstandes kam ich mit einem Schrecken davon und blieb unverletzt. Ich schob mein Rad zunächst von der Straße und dann bis zur S-Bahn, die etwa 1 km entfernt war, zurück. Nahe der S‑Bahn gab es einem Fahrradladen, der auch Service anbot.

Aber es war einer dieser Tage ...
Eine Pedale, wie sie in meinem Fahrrad verbaut war, gab es nicht. Also ein paar Tage warten - auf Bestellung und Einbau. So ein Tag wie dieser hält jedoch auch für einen eher in sich ruhenden Menschen wie mich noch weitere Überraschungen bereit. Ersatzweise wollte ich nun weiter mit den öffentlichen Verkehrsmitteln reisen. Auf dem Weg zur S-Bahn bemerkte ich, dass meine Fahrscheine aufgebraucht waren. Daher hieß es nun: auf zum Automaten und neue kaufen.

Aber es war einer dieser Tage ...
Noch gut gelaunt gab ich meinen Kaufwunsch ein - zweimal Vier-Fahrten-Tickets zu einem Preis von knapp 20 Euro. Mein bereit gehaltener 20-Euro-Schein wurde eingezogen und umgehend wieder „ausgespien“ vom Automaten. Nun, da es bei der Erkennung der Scheine manchmal nicht gleich klappt, entknitterte ich den Schein und versuchte das Ganze 3-4 mal. Bei genauerer Betrachtung teilte mir der Automat mit, dass er nur gewillt war, 10-Euro-Scheine oder kleinere Zahlungsmittel zu akzeptieren. Mit etwas Skepsis über das ja relativ geringe Rückgeld von unter 2 Euro entschied ich mich, vorerst nur eine (!) 4-Fahrten-Karte zu erwerben, da ich nur einen 10-Euro-Schein bei mir hatte. Also alles zurück auf Start und erste Schweißperlen auf der Stirn, da meine Bahn nun gleich kommen sollte.

Aber es war einer dieser Tage ...
Und obwohl seit meinem ersten Versuch niemand sonst den Automaten bediente, hatte er weitere Überraschungen für mich auf Lager. Eine (!) 4-Fahrten-Karte kostet knapp 10 Euro. Nun teilte mir die kleine Maschine mit, dass sie nur noch bereit sei, 5-Euro-Scheine oder kleinere Zahlungsmittel in ihren Höllenschlund zu ziehen. Ich fühlte mich an einen Glücksspielautomaten erinnert. Obwohl die Rückgeldmenge die gleiche wäre, würde der Automat also zwei 5-Euro-Scheine akzeptieren, einen 10-Euro-Schein jedoch nicht. Naja ...

Glücklicherweise hatte ein nach mir -ebenso mit flehendem Blick auf die Uhr- wartender Fahrgast eine gute Idee und ich gewann gegen Bargeldübergabe das Wohlwollen seiner ec-Karte, die dann sowohl seine also auch meine Fahrkarten aus dem „Glücksspielautomaten“ befreiten.

Aber es war einer dieser Tage ...
Kurz nach Ausdruck der ersten Fahrkarte fuhr der Zug ein und wir durften nach hastigen Versuchen von Entwerterautomaten-Origami noch kostenfrei am Sportprogramm der Verkehrsbetriebe „Sprinte zum Zug“ teilnehmen.

Aber es war einer dieser Tage ... Am Ziel angekommen regnete es in Strömen und ich hatte mich an diesem Tage natürlich dazu entschieden, keine Jacke anzuziehen.

Und einer dieser Tage ...
wirkte natürlich auch noch nach. Etwa 1 Woche nach der Reparatur der Pedale fuhr ich wieder einmal mit meinem alten Rad und plötzlich fühlte sich das Treten in der linken -frisch reparierten- Pedale wieder komisch an, was darin mündete, dass mir mitten auf einer Kreuzung die Pedale abfiel und ich abermals unsanft mit dem Fuß auf dem Boden aufstieß. Ein Auto bremste deutlich hörbar und ich schob mit flinken Füßen mein Rad auf den Fußweg. Mit Unmut schob ich es bis zum Fahrradladen und wollte gerade meinem Ärger so richtig Luft machen. Zum Glück hielt ich mich zurück und äußerte zunächst nur, was passiert war. Danach stellte ich provokant die Frage, wie das denn wohl sein könne und wartete auf die Entschuldigungsversuche meines Gegenübers.

Aber es war einer dieser Tage ...
Da ich nun nicht voll aufbrausend meinen Ärger vorgetragen hatte, schaute man sich mein Rad zunächst genauer an. Plötzlich hörte ich, welch Glück ich doch gehabt hätte. „Na auf so ein ‘Glück’ kann ich auch verzichten“, dachte ich noch, als ich nun erfahren durfte, dass der Rahmen meines Rades so weit durchgerostet war, dass eine Weiterfahrt gefährlich gewesen wäre. Ohne diese genauere Inspektion hätte jeder intensivere Aufprall, z.B. von einer Bordsteinkante, das Aus für den Rahmen und ggf. auch für mich bedeuten können.

Manchmal bin ich irgendwie ganz dankbar für Tage wie diese ...

 (© Praxis Der Zuhörer - Steffen Zöhl, 2021)

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