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Ich liebe, was ist: Freiheit finden in einer Welt des Leidens - Buchrezension

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Byron Katie hat in ihrem Buch beschrieben, wie sie in einer tiefen Krise ein Wandlungserlebnis hatte. Daraus ergaben sich für sie vier Fragen, die sie weitergibt, um auch andere zu unterstützen, die eigenen Gedanken zu hinterfragen und damit Überzeugungen, Glaubenssätze und Konzepte aufzulösen. Sie liefert damit die Praxis zu den östlichen Traditionen, die uns lehren „alles ist Illusion“. Bisher hatte ich das so hingenommen, so in der Haltung, als westlicher Mensch ist buddhistisches Gedankengut nur bedingt verständlich.

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Mit Byron Katie‘s einfachen Fragen wird schnell offensichtlich, wie illusorisch unsere Gedanken sind:

1. Ist das wahr?

2. Kannst du wirklich wissen, dass es wahr ist?

3. Wie reagierst du, was geht in dir vor, wenn du den Gedanken denkst?
4. Wer oder wie wärst du ohne diese Denkmuster?

Zusätzlich führt sie noch ein in die Technik der Umkehrung unserer Gedanken. Damit knüpft sie an Wissen aus Psychologie und Spiritualität an: Alles, was wir erleben, ist auch Spiegelung unseres eigenen Bewusstseins. Sie führt weiter aus, dass mit jedem Gedanken ein Gefühl entsteht, und dass wir es gewohnt sind, Gefühle verändern und andere manipulieren zu wollen, wenn wir Unangenehmes fühlen. Ihre Techniken „The Work“ sollen uns wie ein Wecker dienen. Wenn wir unangenehme Gefühle spüren, dann ist es hilfreich, die zugrundeliegenden Gedanken zu untersuchen und zu hinterfragen anstatt Gefühle zu unterdrücken oder andere zu manipulieren.

Die Autorin gibt ein sehr einleuchtendes Beispiel: Ein Geschäftsmann berichtet, er sei wütend auf seinen Partner, weil er ihn vor seinen Angestellten als Quertreiber bezeichnete. Er findet das nicht in Ordnung und erwartet eine Entschuldigung. Byron Katie beschreibt, wie sie ihn mit ihren Fragen unterstützen konnte, sich von seinem emotionalen Schmerz zu befreien.

Auf die erste Frage (s.o.) antwortete er: „Nein“. Er reflektierte, dass der Geschäftspartner sich möglicherweise im Recht fühlte und keinen Grund sah, sich zu entschuldigen.

Interessant war auch seine Antwort auf die dritte Frage: „Ich werde wütend.“ Er spürte den Wunsch, sein Gegenüber niederzumachen, ihn hinter seinem Rücken zu kritisieren. Ihm wurde klar, welche Auswirkungen seine bisherige Interpretation der Situation hatte, die er inzwischen ja sogar in Frage stellte. Als Katie nachfragte, wie er dieses Verhalten beschreiben würde, erkannte er, dass er sich wie ein Quertreiber verhielt, indem er versuchte, gegen seinen Partner zu agieren.

Und nach der vierten Frage spürte er, dass es ihm ohne seine bisherige Interpretation viel besser ginge und mit seinem Partner würde er viel eher Lösungen finden, um wieder gut zusammenarbeiten zu können.

Interessant sind dann auch die Umkehrungen seiner bisherigen Aussagen:

A. „Ich sollte mich bei ihm entschuldigen!“

B. “Ich sollte mich bei mir entschuldigen!“ – Weil er einsah, dass er sich mit seinen wütenden Gedanken fast um einen Freund gebracht und auch finanziellen Schaden verursacht hätte.

C. „Er sollte sich nicht bei mir entschuldigen.“ – Selbst wenn die Kritik vor den Angestellten nicht angemessen war: Der Geschäftsmann reflektierte, dass sein Gegenüber es wahrscheinlich nicht in der Absicht tat, in zu beleidigen. Vielleicht wollte er als Freund ehrlich Probleme aufzeigen.

„Wenn du denkst, eine andere Person sei die Ursache deines Problems, dann bist du verrückt.“ Wenn wir uns das zu Herzen nehmen, dann haben wir wohl alle einige Gedanken zu hinterfragen… und es lohnt sich!

Interessant ist nun, dass Byron Katie mit Stephen Mitchell verheiratet ist. Er ist Poet, Übersetzer, Wissenschaftler und Herausgeber einiger Bücher über Schriften östlicher Religionen. Er stellt an den Anfang jedes Kapitels einen Ausschnitt aus dem Diamant-Sutra, eine wichtige buddhistische Schrift aus dem ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung zur Meditation von Selbstlosigkeit. Damit ist weniger eine Haltung von Hingabe gemeint. Im Diamant-Sutra geht es darum, zu erkennen, dass wir kein Selbst haben. Jegliche Erkenntnis wird in Frage gestellt. In der Auseinandersetzung mit diesem Sutra liegt die Chance, das Gegenteil von dem, was wir bisher für wahr gehalten haben, zu spüren. „Alles, was ich bisher die anderen nannte, stellt sich als mein eigenes Selbst heraus.“ Wer jetzt meint, zu verstehen: „Ah, das fühlt sich gut an, ‚alles eins‘,“  dem „würde Katie antworten: „Auch das Gegenteil ist wahr: „Es gibt nichts.“

Das Diamant-Sutra wird manchmal als „undurchdringlich“ bezeichnet. Wahrscheinlich hätte ich es weggelegt, wenn es mir ohne Interpretation begegnet wäre. Ich habe das Buch mit großem Interesse gelesen und durch die Verbindung von The Work mit dem Diamant-Sutra konnte einiges dieses schwer verdaulichen Textes doch auf fruchtbaren Boden fallen. Immer wieder blätterte ich zurück, verglich die Passagen aus dem Sutra mit den vorigen, ein bisschen ratlos, was denn nun da der Unterschied sei… und komme doch zu dem Schluss, dass gerade die Vielfalt der Erklärungen von Katie auch zu den Fragen, die ihr Stephen Mitchell stellt, sehr ausgewogen und hilfreich ist. Weil es Katie gelingt, wirklich deutlich zu machen, dass Erleuchtung kein mystisches oder transzendentes Erlebnis ist sondern „sehr machbare, bodenständige Erfahrung des Verstehens stressiger Gedanken.“


 
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