Die Taube Hildegard.jpg

Ein halbtotes Taubenbaby findet zurück ins Leben

 Eine junge Taube wird schwer verletzt. Zuerst scheint es, als könne man ihr nicht mehr helfen, doch allmählich kämpf sie sich ins Leben zurück.

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Vor vielen Jahren hatte ich einen Chef, der einen kleinen Taubenschlag besaß. Eines Tages schaute ich in diesen hinein. Auf einem Nest lag ein kleines Taubenbaby. Erste Federn entwickelten sich gerade. Irgendwie bewegte sich die kleine Taube merkwürdig, so, als stimmte mit ihr etwas nicht. Als ich genauer hinsah, entdeckte ich ein Loch, dass in ihrem Kopf war. Ein wenig Blut war sogar zu sehen. Damals dachte ich, dass sich vielleicht die Altvögel im Taubenschlag gestritten hatten und dabei das Jungtier verletzt worden sein könnte. Ich nahm mir vor, am nächsten Tag noch einmal nach dem Täubchen zu sehen.

 

Als ich die Tür zum Taubenschlag am nächsten Tag öffnete, lag das kleine Täubchen blutüberströmt im Nest. Es sah schrecklich aus. Überall am ganzen Körper waren Wunden. Ich dachte damals nicht, dass dem kleinen Vogel noch zu helfen war. Doch ich nahm das Täubchen aus dem Nest und in meine Obhut.

 

Tatsächlich gelang es mir, die Taube aufzuziehen. Es dauerte allerdings lange, bis sie sich zu einer ganz normalen Taube entwickelt hatte. Durch die Handaufzucht war sie natürlich unglaublich zahm. Sie war im Grunde, wie ein Hund. Überall folgte sie mir.

 

Ich hatte sie damals nicht an meinen Chef zurückgegeben, denn der Taubenschlag war sowieso viel zu klein und wenn es zu viele Tauben wurde, hatte er sie immer geschlachtet. Dieses Schicksal sollte meiner Taube natürlich erspart bleiben.

 

Sie lebte in meinem Schrebergarten, den ich damals noch hatte. Ich nannte sie übrigens Hildegard :-) Ich fand den Namen sehr unpassend für eine Taube und daher sehr lustig.

Da Hilde überhaupt keine anderen Tauben kannte, dauerte es auch fast ein Jahr, bis sie sich mit den wilden Tauben, die in der Umgebung ansässig waren, anfreundete. Es gab einen Schwarm von ca. 50 Tauben dort. Irgendwann flog sie mit ihnen mit. Ich konnte sie immer sehr gut von den anderen unterscheiden, denn sie war überwiegend weiß. Die anderen waren alle grau.

Im Frühjahr löste sich der Schwarm auf und alle Tauben waren immer nur noch Paarweise zu sehen. Nur Hilde fand keinen Partner. Immer wenn ein Täuberich balzend um sie herum tanzte, saß sie nur teilnahmslos da. Keiner konnte sie beeindrucken. Wenn ich im Garten war, kam sie sowieso immer zu mir geflogen. Bei mir fühlte sie sich am wohlsten. Mir tat es trotzdem leid, dass sie fortan immer nur allein zu sehen war.

Im Herbst bildeten dann alle Tauben wieder einen Schwarm. Sie saßen also alle wieder zusammen auf den Dächern der naheliegenden Häuser oder flogen gemeinsam umher. Im nächsten Frühjahr beobachtete ich dann wieder das gleiche Spiel. Alle Tauben bildeten wieder Paare. Hilde blieb wieder allein. Um ihre Gunst balzende Täuberiche gab es immer wieder, aber es schien ihr keiner zu gefallen.

Eines Morgens, als ich in den Garten kam, sah ich dann, wie Hilde auf einem Häuserdach saß. Wie immer zu der Jahreszeit, allein. Dann kam ein Täuberich angeflogen. Ich hatte ihn zuvor noch nie gesehen. Ich kannte ja mittlerweile alle Tauben der Umgebung. Sie kamen oft in meinen Garten geflogen, um sich von dem Futter zu holen, dass ich stets für Hilde dort bereithielt. Diesen schwarzen Täuberich kannte ich nicht. Als dieser begann um Hilde balzend herumzugurren, war es plötzlich als würde Hilde aufblühen. So als würde sie auf einmal hellwach werden. So hatte ich sie noch nie erlebt. Sie rannte eilig um ihn herum. Er hatte tatsächlich ihr Interesse geweckt. Dann flog der Täuberich fort. Hilde saß noch einen Moment alleine auf dem Dach und dann flog sie ihm nach. Ich sah sie erst am Abend wieder.

Von diesem Tag an, war sie immer nur noch zusammen mit ihrem Täuberich zu sehen. Oft konnte ich sie beobachten, wie sie sich gegenseitig das Gefieder reinigten. Der scheue Täuberich war die einzige Taube, die nicht in meinen Garten kam. Er hatte einfach zu viel Angst vor Menschen. Doch nach einigen Wochen war er fast genauso zutraulich wie Hilde. Er hatte schnell von ihr gelernt, dass es bei mir Futter gab und er vor mir keine Angst zu haben brauchte. Das liegt mittlerweile über 30 Jahre zurück. Noch immer erinnere ich mich gerne an die Zeit mit meinen Tauben.

Auf dem Foto ist Hilde übrigens ca. 2 und ich 19 Jahre alt - lang lang ist's her :-)

Herzlich grüßt Sie - Ralf Hillmann -  BLOG - LEBE DAS LEBEN

 
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Lieber Ralf, vielen Dank, dass Du diese wunderschöne Geschichte auf meiner Seite veröffentlichst hast. Meine Leser werden sie lieben.

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